Béjarts einzigartiger Nussknacker

Nach 19 Jahren wieder in Lausanne

Der beliebte Weihnachtsklassiker mal ganz anders erzählt – kein Nussknacker, kein Mäusekönig, kein Drosselmeyer, dafür neue spannende Charaktere. Wunderbar getanzt vom Béjart Ballett Lausanne. Und das berühmte Pas de Deux in der Originalversion von Marius Petipa am Ende verzaubert ohnehin das Publikum.

Maurice Béjart’s Version vom NUSSKNACKER ist eine Hommage an seine Mutter, die starb, als er 7 Jahre alt war. Béjart entführt uns in die Fantasiewelt seiner Kindheit, in der all seine Träume, Sehnsüchte und Imaginationen wahr werden. Die Helden seiner Kindheit dürfen dabei nicht fehlen: Felix, die Katze, Mephisto aus Goethes Faust und natürlich Marius Petipa, Meister des klassischen Balletts und sein Idol. Um seine französische Herkunft nicht zu verleugnen, fügte Béjart französische Songs ein. Lisa Biard begleitet mit ihrem Akkordeon die einzelnen Szenen musikalisch und verbindet so die Handlung.

Casse-Noisette ©BBL – Gregory Batardon

Im zweiten Teil lässt Béjart nicht nur die Puppen tanzen. Beim Fest zu Ehren der Maman treten u.a. chinesische Fahrradfahrer, spanische Stierkämpfer, ein Zauberduo sowie ein französisches Tanzpaar auf. Ein herrliches Potpourri zur hinreissenden Musik von Tschaikowski.

Casse-Noisette ©BBL – Gregory Batardon

Es ist ein sehr persönliches, autobiografisches Werk. Béjart kommentiert einzelnen Szenen – mittels Videobild. Das Ballett wirkt selbst nach 20 Jahren ästhetisch, ausdrucksstark, humorvoll und spannend – herrlich getanzt und einfach wunderbar!

In der Originalchoreografie

Im Gespräch mit der PR-Verantwortlichen Ha-Cam Dinh erfahre ich weitere Details. Gil Roman, der heutige Artistic Director, präsentiert den Nussknacker in der Originalfassung von Béjart. Nur die Akkordeonspielerin wurde neu besetzt, da die legendäre Yvette Horner 2018 leider verstarb. Für Lisa Biard wurden neue Kostüme – ganz in Stil der ehemaligen Gauthier-Kreationen – von Haus-Kostümbildner Henri Davila geschneidert. Die beiden fantastischen Tänzer, Elisabet Ros und Julien Favreau, sind auch heute noch in den gleichen Rollen zu sehen wie damals bei der Premiere.

Casse-Noisette ©BBL – Philippe Pache

Klassisches Ballettraining

Das tägliche Morgentraining beginnt mit klassischem Ballett. Denn es bildet die Basis für die Ausübung aller moderner Tanz-Stile. Nur so gelingt es den Tänzerinnen und Tänzern, das vielseitige Repertoire zu meistern.

Internationale Tourneen

Die Compagnie ist weltweit gefragt und ständig auf Tournee. Jährlich werden 60 – 70 Aufführungen absolviert. Nur zweimal im Jahr – im Dezember und im Juni – finden Ballette im Théâtre Beaulieu in Lausanne statt.

Das internationale Programm setzt sich aus bewährtem Repertoire von Maurice Béjart und neuen Werken von Gil Roman zusammen. Gil Roman führt mit viel Feingefühl das Erbe Béjarts weiter. Eindrücklich sind insbesondere aber auch seine eigenen Choreografien, die weltweit gefeiert werden. Auch lädt er immer wieder moderne Gastchoreografen wie Alonzo King, Tony Fabre, Christophe Garcia, Giorgio Madia oder Julio Arozarena und Yuka Oishi nach Lausanne ein. Auf diese Weise bleibt das Béjart Ballett Lausanne auch im 31. Jahr seines Bestehens lebendig und kreativ.

Hintergrundwissen zum Béjart Ballett Lausanne
Nachdem Maurice Béjart im Alter von 80 Jahren 2007 starb, übernahm Gil Roman, langjähriger Tänzer und Choreograf die Leitung der Compagnie.

42 Tänzerinnen und Tänzer aus 17 Ländern tanzen jährlich 20 verschiedene Produktionen vor 100.000 Zuschauern. Es werden 1200 Kostüme und 2500 Paar Schuhe gebraucht und 250.000 Kilometer zurück gelegt. Was für eine erfolgreiche Compagnie!

Mehr auf der Website bejart.ch

Beitragsfoto Casse-Noisette ©BBL – Gregory Batardon

Biografie von Maurice Béjart

Das choreographische Schaffen des 1927 in Marseille geborenen Maurice Béjart umfasst eine Bandbreite von zeitkritisch-provokativen über schwärmerisch-zeitlose bis hin zu mystisch inspirierten Stücken. Béjart, der eigentlich Maurice Jean Berger hieß, fand nach einer Tanzausbildung in seiner Heimatstadt, Paris und London bereits in jungen Jahren zur Choreographie. Erste Schritte auf diesem Terrain wagte er ab 1945 bei seinen Pariser Lehrern Madame Rousanne, Léo Staats, Madame Egorova und Nora Kiss sowie später bei Vera Volkova in London. 1950 gab er mit Strawinskys Feuervogel sein choreographisches Debüt in Stockholm. Nach einer vergleichsweise kurzen Periode von Tanzengagements beim Königlich Schwedischen Ballett und beim Cullberg Ballet sowie in den Compagnien von Janine Charrat und Roland Petit bot sich ihm 1953 die Gelegenheit gemeinsam mit Jean Laurent die Ballets de l’Étoile, das spätere Ballet-Théâtre de Paris, zu gründen. In Symphonie pour un homme seul (1955), das er zu einer elektroakustischen Komposition für die Ballets de l’Étoile schuf, wurde dem Publikum über Nacht Béjarts außergewöhnliche Bühnenpersönlichkeit offenbar. Dieses existentialistisch anmutende Ballett war der Grundstein für eine lange Karriere als Compagnieleiter, Choreograph und Tänzer.
Zeit seines Lebens blieb Béjart der eigenen Compagnie treu, die er mittels seines choreographischen und theatralen Wirkens regelrecht in die Weltspitze katapultierte.
Dem Ruhm des aus dem Zusammenschluss von Béjarts junger Compagnie und den Tänzern des Brüsseler Monnaie-Theaters entstandenen Ballet du XXe Siècle in Brüssel konnten auch die Umbenennung in Béjart Ballet Lausanne und der damit verbundene Umzug nichts anhaben.
Als grundlegend für diesen Erfolg darf Béjarts ausdrucksstarke Ästhetik genannt werden, die immer das alle Künste und theatralen Ebenen integrierende Gesamtkunstwerk à la Richard Wagner mit im Blick hat. Außerdem wird in seinen choreographischen Arbeiten seine Beschäftigung mit mythischen, religiösen, philosophischen und historischen Themen sichtbar.
Besonderen Anklang fand Béjart damit bei der Jugend, deren Zeitnerv er als „68er des Tanzes“ traf. Gleichzeitig gelang es ihm jedoch auch, mit seinen feinfühligen Choreographien – sei es zu klassischer Musik wie etwa Beethovens 9. Sinfonie samt Ode an die Freude, zu französischen Chansons, Pop- und Rocksongs oder folkloristischen Klängen – die Massen zu berühren und Begeisterungsstürme in vollen Stadien auszulösen. Zu Recht zählt Jochen Schmidt Béjarts Versionen von Le Béjart Ballet Lausanne – bejart.ch
Sacre du Printemps (1959) und Feuervogel (1970), den Boléro (1961), das Solo Ah! Vous dirai-je, maman? (1972), die Lieder eines fahrenden Gesellen (1971) und Gaîté parisienne (1978) zu den stärksten Choreographien ihrer Zeit.Diesen Umstand erkannte in den siebziger Jahren auch Marcia Haydée, die als damalige Direktorin des Stuttgarter Balletts ab 1976 eine intensive künstlerischeZusammenarbeit mit Béjart entwickelte. Seine Lieder eines fahrenden Gesellen wurden hier 1976 erstmals aufgeführt und hielten sich bis heute auf dem Spielplan. Mehr Aufführungen erlebte in Stuttgart als einziges seiner Ballette lediglich Gaîté parisienne (1978). Daneben wurden Isadora (1978) mit Marcia Haydée in der Titelrolle der Schöpferin des modernen Tanzes, Boléro (1961) und seine Petruschka-Version (1977) beim Stuttgarter Ballett in den achtziger Jahren zu Dauerbrennern.
1984 schuf Béjart für seine Tänzerfreunde Marcia Haydée und John Neumeier das Stück Die Stühle nach dem gleichnamigen absurden Einakter Eugène Ionescos. 1985 entstand Operette, seine einzige Uraufführung für das Stuttgarter Ballett.
Maurice Béjarts teils progressive, teils verträumte Ballette nehmen mit ihrer von der Neoklassik bis zum Modern Dance reichenden Tanzsprache im Repertoire des Stuttgarter Balletts von jeher eine wichtige Rolle ein. Auch allgemein scheinen sowohl seine zeitkritischen als auch seine schwärmerisch-zeitlosen Ballette über seinen Tod hinaus zu überdauern: In der Gegenwart sind sie immer noch auf Ballettbühnen in aller Welt zu finden.

Biografie von Gil Roman

GIL ROMAN

Der Choreograph und Leiter des Béjart Ballet Lausanne Gil Roman, geboren in Alès, Frankreich, absolvierte seine Ballettausbildung bei Marika Besobrasova, Rosella Hightower und José Ferran, bevor er sich 1979 Maurice Béjarts Ballet du XXe siècle anschloss. Mehr als dreißig Jahre trat er mit Béjarts weltbekannter Compagnie auf. Seit 2007 ist Gil Roman Ballettdirektor des Béjart Ballet Lausanne, für das er eigene Choreographien kreiert, und pflegt gleichzeitig Béjarts Erbe.

Noch während seiner langen Karriere als Tänzer begann Gil Roman selbst zu choreographieren und schuf zahlreiche Werke wie L’Habit ne fait pas le moine, Réflexion sur Béla, Echographie d’une baleine, Le Casino des Esprits, Aria, Syncope und Là où sont les oiseaux, das beim China Shanghai International Arts Festival uraufgeführt wurde. Seit Anima Blues 2013 wurden vier weitere seiner Stücke ins Repertoire des Béjart Ballet Lausanne aufgenommen: 3 Danses pour Tony, Kyôdaï, Tombées de la dernière pluie, Impromptu… und t ‚M et variations….

Gil Roman wurde 2005 mit dem angesehenen Preis Danza & Danza für seine Darstellung des Jacques Brel in Brel & Barbara ausgezeichnet. 2006 wurde ihm vom Monaco Dance Forum der Nijinsky-Preis verliehen.

Die Kulturstiftung des Schweizer Kantons Vaud zeichnete Roman 2014 mit dem Preis für kulturelles Bewusstsein aus und im gleichen Jahr erhielt er vom Shanghai Art Festival den Sonderpreis für seine Einstudierung von Maurice Béjarts. Die IXe Sinfonie. Im Mai 2015, wurde seine Arbeit mit dem Maya Plissetskaya Preis honoriert und er erhielt den Orden „Chevalier dans l’Ordre national du Mérite“ des französischen Botschafters in der Schweiz. Mit dieser angesehenen Auszeichnung wird die Karriere, die kulturelle Bedeutung und der kreative Geist des Direktors des Béjart Ballet Lausanne gewürdigt.

Autor: ballettlovers

I danced ballet as child, albeit with little success. Despite this, my passion for ballet and dance has carried into adulthood. I still love to watch ballet performances and would love to share my passion with you.

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