Was hinter der Leichtigkeit steckt

VON JUDITH HUNGER – Gastbeitrag, erschienen im Zett, DAS MAGAZIN DER ZÜRCHER HOCHSCHULE DER KÜNSTE 2018

Was 1832 mit der Uraufführung des Balletts «La Sylphide» seinen Anfang nahm, gehört bis heute zum Training angehender Ballerinen: der Spitzentanz. Auch an der Tanz Akademie Zürich wird die fordernde Fussarbeit Tag für Tag gelehrt und gelernt.

Trainingsvorbereitung an der Tanz Akademie Zürich. Foto: © taZ

«Die Arbeit auf Spitze ist höchst anspruchsvoll und bedarf sehr guter Schulung, Geduld und Disziplin. Es dauert lange, bis die Leichtigkeit sichtbar wird», sagt Steffi Scherzer, künstlerische Leiterin der Tanz Akademie Zürich (taZ). Sie weiss, wovon sie redet. Ihre Karriere – von der Gruppentänzerin bis hin zur Primaballerina – hat 28 Jahre gedauert. «Die Schülerinnen brauchen einige Zeit, bis sie das geeignete Spitzenschuhmodell gefunden haben. Es ist ein ständiges Ausprobieren», fügt Tina Goldin an. Sie ist Dozentin für Klassischen Tanz und Spitzentanz an der taZ. Zudem wird der Spitzenschuh individuell angepasst, mögliche Druckstellen werden vorsorglich weichgeklopft, Gummibänder angenäht oder die Sohle bearbeitet. Das kann gut und gerne eine Stunde Zeit in Anspruch nehmen. Nicht selten bereiten Ballerinen mehr als ein Paar Spitzenschuhe pro Vorstellung vor. Es kann durchaus sein, dass die Tänzerin zwischen den Szenen den Schuh wechseln muss.

Eine neue Rolle für den Fuss

Es war die legendäre Marie Taglioni, die 1832 in Paris erstmals eine ganze Aufführung auf den Zehenspitzen tanzte. Die fortan «Primaballerina» Genannte gab damit der Figur der Luftfee – Sylphide – eine neue Art von Körper- und Schwerelosigkeit. Zudem trug Marie Taglioni im gleichnamigen Ballett zum ersten Mal ein Tutu – ein «romantisches» Tutu, wie es im Fachjargon heisst. Eine weitere Sensation: Bis zu diesem Zeitpunkt tanzten die Ballerinen in Reifröcken. Stein des Anstosses war die Länge – oder vielmehr die Kürze – des Tutus. Es reichte bis etwa Mitte der Wade, um den freien Blick auf die Fussarbeit der Ballerina zu gewähren. Dem Fuss der Tänzerin fiel somit eine neue Rolle zu: Er wurde zu einem Bestandteil des tänzerisch-künstlerischen Ausdrucks.

Der Spitzenschuh muss Teil des Körpers werden. Foto: © taZ

Zahllose Tricks zur Fusspflege

Aus medizinischer Sicht erhält der Fuss einer Ballerina im Spitzentanz eine neue Funktion. Sie steht auf dem «gestreckten» Fuss – ein kleiner Evolutionsschritt, könnte man sagen. Das Gewicht des Körpers wird in der mit mehreren Stoffschichten verleimten Kappe des Spitzenschuhs auf kleinster Fläche balanciert. Um professionell und sicher mit Spitzenschuhen tanzen zu können, müssen die Füsse unter fachkundiger Leitung über mehrere Jahre hinweg durch ein ganz bestimmtes Training gestärkt werden.

Die derart beanspruchten Füsse bedürfen intensiver Pflege. Die Schülerinnen der taZ massieren sie mit Gummibällen, polstern die Spitzenschuhe aus, kleben und binden die Zehen mit Spezialband ein. Ausgiebiges Eincremen, damit die Haut möglichst weich und elastisch bleibt, gehört ebenso zum Tagesritual wie die Stärkung der Füsse durch spezielle Übungen mit dem Thera-Band. Kurzum, die Liste der Tricks und Kniffs in Sachen Fusspflege für Ballerinen ist so lange und so individuell, wie es unterschiedliche Füsse gibt.

Beweglichkeit ist Voraussetzung

«Und hochrollen! Stabil über der Spitze stehen! Arme hoch! Halten die Balance!», so ungefähr lauten die Anweisungen von Tina Goldin im Grundstudium. «Wir beginnen mit einfachsten Übungen an der Stange, die auf dieser Stufe in erster Linie dem Kraftaufbau dienen», erläutert sie. Die einzelnen Elemente sind noch klar voneinander getrennt. «Zudem soll der Fuss eine gewisse Elastizität behalten», ergänzt Steffi Scherzer. Eine von Natur gegebene Beweglichkeit und Flexibilität der Füsse wie auch des gesamten Körpers ist Voraussetzung. «Denn Beweglichkeit können wir zwar unterstützen und fördern, aber nicht erzeugen. Sie ist Voraussetzung für den klassisch akademischen Tanz.»

Was einfach beginnt, endet höchst anspruchsvoll. In den oberen Klassen geht es um Schnelligkeit und darum, die unterschiedlichen Dynamiken zu meistern und die einzelnen Elemente virtuos zu verbinden – das Weiche und Ausdrucksstarke im Adagio wie auch das Schnelle und Spritzige im Allegro. Auf dieser Stufe darf der Spitzenschuh kein Fremdkörper mehr sein, er ist Teil des Fusses, des Beines, des gesamten Körpers geworden.

SPITZENTRAINING AN DER TAZAUTORIN

Im Alter von elf Jahren beginnen die jungen Mädchen an der taZ mit Spitzentraining. Was mit zweimal wöchentlich 45 Minuten seinen Anfang nimmt, endet im Hauptstudium mit 90 Minuten täglichen Unterrichts in Spitzenschuhen. Hinzu kommen Proben und Wettbewerbsvorbereitungen. Zu Spitzenzeiten bedeutet dies bis zu drei Stunden pro Tag in Spitzenschuhen. «The making of a ballet shoe» auf YouTube schauen 

Dieser Beitrag erschien am 7. Mai 2018 im Zett.

Zett ist das Magazin der Zürcher Hochschule der Künste und erscheint als Printausgabe sowie online auf www.zhdk.ch/zett.

My favorite Ballet Photos

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Prima Ballerina Iana Salenko

Photo by ballerinaproject in Royal Opera House London
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Tun Spitzenschuhe weh?

Was antwortet Primaballerina Katja Wünsche, Ballett Zürich

Kann man barfuss Spitze tanzen? Wie schützt Katja ihre Zehen? Wie werden die Schuhe gebunden? Wann sind Spitzenschuhe tot?

Erfahrt alles über Spitzenschuhe auf meinem neuen youtube Channel.

Jede Ballerina hat ihre eigenen Methoden, ihre Spitzenschuhe einzutanzen und weicher zu machen. Denn neue Spitzenschuhe sind hart und unbequem. Eigentlich bestehen sie nur aus vielen komprimierten Schichten von Stoff, Karton und Leim und einer Ledersohle – weder Stahlkappen, noch Holzeinsätze oder Zehenpolster sind darin zu finden.

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How pointe shoes are made

The secret inside of pointe shoes    

No, they are not made out of wood, and there is no steel in the flat tip! The tip is made of densely packed layers of fabric, cardboard and/or paper hardened by glue. Being extremely sturdy makes it possible to balance the entire weight of the ballerina’s body on a small platform. The rest of the shoe consist of materials such as leather, cotton and satin. The right and the left shoe are identical.

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Wie kann man auf der Spitze tanzen?

Ohne richtige Vorbereitung kein Spitzentanz!

Es sieht so leicht und einfach aus, wenn Ballerinen auf Spitze über die Bühne schweben. Aber unsere Füsse sind nicht für den Spitzentanz gemacht. Ballettanfänger versuchen erstmal auf der Halbspitze, die nötige Balance und Körperspannung aufzubauen. Die Fussmuskeln und Fussgelenke müssen darauf vorbereitet werden, das ganze Körpergewicht zu tragen. Die Balletttänzer wärmen sich vor jedem Training ausreichend auf.  Das Dehnen, Kräftigen und Lockern der Muskeln und der Beine fördert die Beweglichkeit und Stärke.

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Wie Ballett entstand?

Seit es Menschen gibt, wird getanzt. Aber woher kommt das klassische Ballett?

Bereits im 15. Jahrhundert wurden höfische Tänze an festlichen Anlässen in Italien und Frankreich präsentiert. Eine der ersten Ballettaufführungen überhaupt, die geschichtlich erwähnt wurde, stammt aus Italien: 1499 anlässlich der Hochzeit des Herzogs von Mailand. Die florentinische Prinzessin Katharina de Medici brachte das Ballett durch ihre Heirat mit Heinrich II 1533 an den französischen Hof.

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Don’t miss the WORLD BALLET DAY 2017

Photo by The Royal Ballet Full Class – World Ballet Day 2014 – YouTube

#WorldBalletDay is back on 5 October 2017!

Have a look behind the scenes. Watch morning classes, interviews and rehearsal of 5 Top Ballet Companies. You will learn a lot of all the insights.

The Australian Ballet, Bolshoi Ballet, The Royal Ballet, The National Ballet of Canada and San Francisco Ballet will partner for the fourth year in a row to celebrate classical dance and provide viewers around the world with an exclusive look behind the scenes at what life is like at the world’s top ballet companies.