Wunderbarer Tanz am Opernhaus Zűrich
Anlässlich des 150. Todestages von Hans Christian Andersen präsentierte das Ballett Zürich am 18. Januar 2025 eine besondere Uraufführung, choreografiert von Kim Brandstrup.
Andersens Märchen sind düster und ohne happy end. Trotz seines Erfolgs als Dänemarks erfolgreichster Dichter litt Andersen lebenslang unter Depressionen und Wahnvorstellungen. Brandstrup nutzt für seine Inszenierung drei der bekanntesten Geschichten des dänischen Dichters „Die kleine Meerjungfrau“, „Die Schneekönigin“ und „Der Schatten“, um die zentrale Themen wie Sehnsucht, Einsamkeit, Verzweiflung und Gefühlskälte fragmentartig darzustellen.

Das düstere und minimalistische Bühnenbild zeigt gleich zu Beginn die ärmlichen Verhältnisse, in denen Andersen aufgewachsen ist. Die Lichtgestaltung sowie die Videoinstallationen tragen massgeblich zur mystischen und geheimnisvollen Stimmung des Ballettabends bei. Eindrücklich war das Spiel der Schatten, das auf mobile Wände projiziert wurde. Die Kostüme, in Grautönen verstärken die emotionale Tiefe der Geschichten. Nur die Meerjungfrau sticht durch ihr türkisfarbenes Kleid hervor. Somit rückt der Tanz ganz in den Mittelpunkt. Das Ballett Zürich konnte sein Können hervorragend unter Beweis stellen. Wunderbar getanzt. Bravo!

Der freischaffende Choreograf Kim Brandstrup war mir vorher nicht bekannt. Seine zeitgenössische Bewegungssprache hat mir sehr gefallen. Brandstrup studierte Film an der Universität in Kopenhagen und liess sich sehr von Merce Cunningham und Pina Bausch inspirieren. Er führte seine eigene 1985 gegründete Tanzcompagnie ARC Dance zum Erfolg. Der Durchbruch kam 1989 mit Orfeo am London Contemporary Dance Theatre. Seitdem verbindet er Film, Tanz, klassische Musik und Oper und konnte seinen eigenen Stil entwickeln.

Das Sounddesign von Ian Dearden fand ich kreativ, denn es untermalte die triste Stimmung der Andersen Märchen mit einer Zusammenstellung von Fragmenten aus Werken von Anna Clyne, Hans Abrahamsen, Schubert, Chopin, Debussy, Schönberg, Kurtag und einer armenischen Volksweise.

Ein gelungener Ballettabend, der aufs Gemüt schlägt. Vielleicht nicht für Familien zu empfehlen. Mein Tipp: Andersens Geschichten vorher lesen, wenn man sie nicht kennt.
Interview mit Kim Brandstrup
https://www.opernhaus.ch/spielplan/kalendarium/of-light-wind-and-waters/2024-2025?share=169485
Weitere Infos
https://www.opernhaus.ch/spielplan/kalendarium/of-light-wind-and-waters/2024-2025/
