Buchreview: Vladimir Klos

Ups and Downs. Mein Leben. ein einziger Tanz!

Zu seinem 75. Geburtstag erschien die Autobiografie des weltweit gefeierten Ballettstars Vladimir Klos, die ich mit Freude gelesen habe. Grosses Glück hatte der tschechische Tänzer als er 1968 nach seiner Flucht in den Westen von John Cranko in das Stuttgarter Balletts aufgenommen wurde. Denn ein Jahr später begann Cranko’s internationaler Erfolg, als er mit dem Stuttgarter Ballett auf USA-Tournee ging. Mit seinen vier Starsolisten Richard Cragun, Birgit Keil, Marcia Haydee und Egon Madsen schrieb Cranko dort Ballettgeschichte, die als „Das Stuttgarter Ballettwunder“ bezeichnet wurde. Vladimir Klos wurde sozusagen das „fünfte Rad am Wagen dieses Dream Teams“.

Leseprobe © Seemann-Henschel Verlag

Seine erste Hauptrolle „Petrucchio“ in der Ballettkomödie DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG meisterte Vladimir Klos nach anfänglichen Schwierigkeiten mit Bravour, unterstützt von seiner Ballett -und Lebenspartnerin Birgit Keil. Klos beschreibt den Erfolgsdruck junger Tänzer sehr eindrücklich: “ Neid muss man sich verdienen. Mitleid gibt es umsonst. Solche Erfahrungen sind immens wichtig, um die eigene Karriere verdauen zu können.“ Von da an ging seine Ballettkarriere nur noch bergauf.

Leseprobe © Seemann-Henschel Verlag

Klos zeigt sich als bescheidener Tänzer, der dankbar für jede Rolle war. Bis zu Cranko’s Tod 1973 brillierte er in den wichtigsten Titelrollen und durfte die Weltstars der Ballettwelt wie Rudolf Nurejew und Margot Fonteyn kennen lernen. Normalerweise besetzte John Cranko seine Ballette mit eigenen Tänzerinnen und Tänzern des Stuttgarter Balletts und machte sie somit auf internationalen Tournee weltberühmt. Eine Strategie, die Klos später mit seiner Compagnie weiter verfolgt hat.

Wie Klos beschreibt, war Cranko ein Meister im Beobachten seines Ensembles. „Er suchte in jedem Menschen etwas, was es zu entdecken und zu fördern galt. Er kannte Stärken und Schwächen seiner Tänzer und choreografierte seine Solos entsprechend.“

Leseprobe © Seemann-Henschel Verlag

Zu den langjährigen Freunden zählen Jiří Kylián, den er seit der Vorbereitungsklasse der Ballettschule am Nationaltheater Prag kannte und John Neumeier, der ihn von seinen Anfängen beim Stuttgarter Ballett begleitet. Klos blieb seine ganze Karriere beim Stuttgarter Ballett. Er arbeitete mit den wichtigsten Choreografen seiner Zeit zusammen, feierte auf Tourneen weltweit Erfolge und blieb seiner Partnerin Birgit Keil bis heute treu.

Leider gehören Verletzungen zu einem Tänzerleben. 1991 erlitt Klos einen zweifachen Bandscheibenvorfall und musste fast zwei Jahre aussetzen. Eine harte Zeit für einen aktiven Menschen. Doch auch sein Comeback gelang problemlos 1993, als er Mitch in John Neumeiers ENDSTATION SEHNSUCHT brilliant präsentierte.

Seinen Bühnenabschied nahm Klos 1996 als Mortimer in David Bintleys EDWARD II. Kurz davor gründete er mit seiner Frau die Tanzstiftung Birgit Keil zur Förderung des tänzerischen und choreografischen Nachwuchses und übernahm den Vorsitz des Künstlerischen Beirats. 1999 wird er zum Professor an der Akademie des Tanzes Mannheim ernannt und lehrt dort bis 2019. Ab 2003 ist der ehemalige Tänzer zusätzlich als Stellvertretender Direktor des Staatsballetts Karlsruhe und als Lehrer an der Akademie des Tanzes Mannheim tätig. Als Anerkennung für seinen unermüdlichen Einsatz wurde Vladimir Klos u. a. mit dem Emmy Award und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Die verantwortungsvolle Ausbildung jungen Menschen liegt Klos sehr am Herzen. So ist in seinem Buch zu lesen: „Es ging nicht nur um den Erwerb technischer Fähigkeiten, sondern auch um den Einsatz von Geist und Seele, der für die Interpretation einer Rolle und die Verantwortung ihr gegenüber genauso wichtig ist. Es ist die Intensität des Ausdrucks, die letztlich dafür sorgt, dass der Funke über den Orchestergraben hinweg auf das Publikum im Saal überspringt. Die mentale Stärke, die dafür nötig ist, kann nur von innen kommen und setzt eine intensive Vorbereitung ¨, eine intelligente und detaillierte Auseinandersetzung mit dem Stoff und der Vorlage in ihrem kulturgeschichtlichen Kontext, voraus.“

Jeder Tänzer hat seine Zeit. Für nachkommende Generation ist es wichtig, Biografien von Zeitzeugen zu lesen, um die Ballettgeschichte kennen zu lernen und einzuordnen. Echt schade, dass wir Vladimir Klos nie live tanzen sehen konnten. Es gibt leider nur sehr wenige Videoaufzeichnungen in guter Qualität.

Biographie ©seemann-henschel.de

VLADIMIR KLOS, geb. 1946, wurde in seiner Heimatstadt Prag zum Tänzer ausgebildet. Von 1968 bis 1996 gehörte er dem Stuttgarter Ballett an, ab 1972 als Solist, ab 1973 als Erster Solist. Neben den Klassikern tanzte er Hauptrollen u. a. in John Crankos „Romeo und Julia“, „Onegin“ und „Der Widerspenstigen Zähmung“. Sein breit gefächertes Repertoire umfasste Ballette und Kreationen u. a. von Kenneth MacMillan, Uwe Scholz, Hans van Manen, George Balanchine und Jiří Kylián. Namentlich seine Bühnenpartnerschaft mit Birgit Keil brachte beiden Künstlern Beifall in aller Welt ein. Nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn lehrte er bis 2019 als Professor an der Akademie des Tanzes Mannheim und war zusätzlich von 2003 bis 2019 Co-Direktor des Staatsballett Karlsruhe. Er ist für die Tanzstiftung Birgit Keil und als Dozent und Juror bei internationalen Tanzwettbewerben tätig. 2021 stiftet er gemeinsam mit Birgit Keil den Birgit-Keil-Preis.
Auszeichnungen und Preise:
-Bester Darsteller des Jahres von der Zeitschrift „ballettanz“ für Mitch in John Neumeiers „Endstation Sehnsucht“
-Emmy Award
-Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
-Prix Hélène
-Ehrenmitgliedschaft des Badischen Staatstheaters Karlsruhe

SILKE MEIER-BRÖSICKE, geb. 1977, studierte Französisch in Nantes sowie Musikwissenschaft, Hispanistik und Theaterwissenschaft in Leipzig, Berlin und als DAAD-Stipendiatin in Buenos Aires. Engagements als Dramaturgin, Spielleiterin und Regieassistentin führten sie an die Staatsoper Stuttgart, das Theater Krefeld Mönchengladbach, Theater Augsburg, Staatstheater Darmstadt und das Stuttgarter Ballett. Sie arbeitete mit Regisseur:innen und Choreograf:innen wie Peter Konwitschny, Martin Kušej, Christof Nel, Monique Wagemakers, Mei Hong Lin oder Johann Kresnik zusammen und gastierte bei den Jeunesses Musicales Deutschland, am Teatro Real Madrid und Gran Teatre del Liceu Barcelona. Von 2015 bis 2020 war sie Ballettdramaturgin am Badischen Staatstheater Karlsruhe und wechselt zur Spielzeit 2021/22 als Tanzdramaturgin und Company-Managerin an das Staatstheater Kassel.

Leseprobe

https://www.yumpu.com/de/document/read/65752710/vladimir-klos-ups-and-downs

Mehr über das Stuttgarter Ballettwunder

https://balletloversblog.com/2021/01/27/dokumentarfilm-das-stuttgarter-ballettwunder/

Autor: ballettlovers

I danced ballet as child, albeit with little success. Despite this, my passion for ballet and dance has carried into adulthood. I still love to watch ballet performances and would love to share my passion with you.

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